ON TOUR

Der Sommer ging uns mal wieder aus. Die Motorradsaison neigte sich langsam aber sicher dem Ende zu. Zumindest für diejenigen unter uns, die ein Saisonkennzeichen (meist März bis Oktober) an ihr Bike geschraubt haben. Zwar hatte die Torschlusspanik noch nicht um sich gegriffen, doch die letzten sonnigen Tage des Jahres sollte man wirklich noch ausnutzen und auskosten.
Beste Gelegenheit für ein solches Vorhaben ergab sich Ende September. Normalerweise plant der Motorrad-Stammtisch „FRANKEN-UHUs“ die offizielle Abschlusstour irgendwann im Oktober. Diesmal aber konnte jede gemeinsame Tour die letzte des Jahres sein. Schließlich hatten wir alle einen recht feuchten Sommer mit relativ wenigen Ausflügen hinter uns.
Eine unerwartet stabile Hochdrucklage im letzten Drittel des Septembers ließ auf eine längere Tour hoffen, bei der wir eventuell mal wieder trocken zu Hause ankommen könnten. Als Road Captain tüftle ich oft Routen aus, die auf interessanten Strecken durch sehenswerte Landschaften zu einem bestimmten Tagesziel führen. Dennoch bin ich dankbar, wenn auch mal konkrete Wünsche aus den Reihen der UHUs an mich heran getragen werden. Der Vorschlag für eine Ausfahrt in den Thüringer Wald kam von unserer „UHUs-Secretary“ Curly. „UHUs-Captain“ Doggy steuerte noch ein paar Wunschpunkte auf der Route bei.
Am 25.09.2011 (Sonntag) war es dann soweit. Pünktlich um 10:30 Uhr erbebte der Parkplatz vor dem MARKET Einkaufszentrum in Hallstadt, als die zehn teilnehmenden Bikes gestartet wurden. Alle UHUs wissen, dass ihr Road Captain penibel auf den Zeitplan achtet. Er gestattet sich höchstens noch eine schnelle Zigarette vor der Abfahrt. Wer aber nur fünf Minuten zu spät kommt, der wird einen Parkplatz ohne Bikes vorfinden. In diesem Fall hat derjenige gute Karten, der sich vorher im Forum der „FRANKEN-UHUs“ die Route im öffentlichen Tour-Archiv betrachtet hat. So ein langsamerer Pulk mit etlichen Motorrädern ist ja eigentlich schnell mal eingeholt, wenn man alleine unterwegs ist.
Als erster Wunschpunkt auf Doggy’s Liste war Kronach angegeben. Nun erfülle ich ja gerne Wünsche, selbst wenn man sich eine gute Fee vielleicht ein wenig anders vorstellt als einen (fast) perfekten Doppelgänger des amerikanischen Schauspielers Danny DeVito. Kennt ihr nicht? Na, der sieht so aus wie ich. Klein, dick, rundes Gesicht und ziemlich barfuß auf dem Kopf!
Kronach auf direktem Weg via Bad Staffelstein und Lichtenfels anzufahren käme einem Sakrileg gleich! Die UHUs wagen sich durchaus hin und wieder in fremde Gefilde, selbst wenn sie dabei ihr angestammtes und geliebtes Revier – die Fränkische Schweiz – verlassen müssen. Doch dabei gilt es, sich so lange als möglich in gewohnter Umgebung zu bewegen. Aus diesem Grund wurde diese Route gegen den Uhrzeigersinn gefahren, um sich im Schutze der bekannten Landschaft vorsichtig dem Tagesziel zu nähern.
Unser Konvoi startete, wie oben schon erwähnt, vom Parkplatz des Einkaufszentrums MARKET in Hallstadt und führte zunächst auf den Berliner Ring Richtung Bamberg. An der Kreuzung nach etwas mehr als 1,5 Kilometern bogen wir nach links ab in die Memmelsdorfer Straße (ab hier als St2190 bezeichnet) und folgten der Route über Memmelsdorf und Straßgiech bis kurz vor Scheßlitz. Dort ändert sich die Bezeichnung der Straße in St2210. Davon merkt man aber fahrtechnisch gesehen nichts, weil man hier einfach geradeaus weiter fährt. Rein nach Scheßlitz und danach weiter über Stübig, Weichenwasserlos und Roßdach bis Wattendorf, wo wir von der St2210 nach links Richtung Rothmannsthal abbogen. Ab hier ging es über eine kleinere, kurvenreiche Straße in nördlicher Richtung nach Lahm, Mönchkröttendorf, Thelitz und Reuth bis Hochstadt am Main.
Hier trifft man wieder auf breitere Straßen. Wir brauchten nur rechts abbiegen auf die B173 und uns treiben lassen bis etwa zur Mitte von Kronach. Der Kurs änderte sich nach links auf die St2200. Nach sechs Kilometern erreichten wir Steinberg, unseren geplanten Halt für eine Mittagspause.
Etwa in Ortsmitte an der Kreuzung Kronacher Straße / Grieser Straße liegt auf der linken Seite ein gemütliches, typisch fränkisches Gasthaus mit dem seltsamen Namen: „Zum Frack“. Eine freundliche Sonne wärmte uns und so nahmen wir an einem großen Tisch auf der Terrasse im Freien Platz. Weil wir bald wieder „on the road“ sein wollten, hatten die meisten der Tourteilnehmer ein (vermeintlich) schnell zu servierendes Gericht bestellt: „Schniposa“, also Schnitzel, Pommes und Salat. Leider war in der Gastwirtschaft zur gleichen Zeit eine Hochzeitsgesellschaft zu bewirten. Da hat es dann doch etwas länger gedauert, bis wir alle versorgt waren. Doch wie fast immer in Franken war das Essen gut und preiswert.
Zufrieden, gesättigt und mit bester Laune aufgrund des traumhaften Wetters machten wir uns leicht verspätet wieder daran, dem Thüringer Wald einen Besuch abzustatten. Kurz nach Steinberg ging es dann runter von der St2200 nach links über Gifting bis Posseck. Die Route führte rechts nach Marienroth und weiter Richtung Teuschnitz. Jedoch fuhren wir nicht bis Teuschnitz, sondern bogen vorher links ab und bewegten uns auf der St2198 auf kurviger Strecke talwärts bis Förtschendorf, wo wir auf die B85 trafen und uns rechts Richtung Steinbach am Wald hielten. In der nach einem Kilometer folgenden Ortschaft Steinbach ging es wieder runter von der B85 und beim Kreisverkehr links auf die St2209, die hier „Frankenwald-Hochstraße“ heißt.
Der nächste Ort klingt wie ein Jägergruß: „Waidmannsheil“. Von dort ging es noch gut 3 Kilometer weiter bis ein erneuter Richtungswechsel nach rechts erfolgte. Auf der L2659 knatterten wir bis kurz vor Spechtsbrunn. Unser Weg führte auf einer Länge von ca. 600 Metern nach links auf die L1150 und in Ortsmitte geradeaus auf die L1152. Kurz vor Piesau ging es nach links in die „Straße des Friedens“. Nach Piesau folgten wir der L1149 bis nach Ernstthal, einem Skiparadies am Rennsteig. Auch eine Sommerrodelbahn ist dort zu finden.
Kurz danach erreichten wir unseren geplanten Tank-Stopp bei Tour-Kilometer 110 in „Neuhaus am Rennweg“. Manche werden jetzt erstaunt fragen: „Rennweg? Das heißt doch Rennsteig, oder?“. Stimmt schon! Hier - und nur hier - in „Neuhaus am Rennweg“ wird der Rennsteig urplötzlich Rennweg genannt. Dies hat aber lediglich postalische Gründe zur Unterscheidung von gleichnamigen Orten.
Der Rennsteig ist ein ca. 170 km langer Wander- und Radweg. Zugleich ist er Deutschlands ältester und meistbegangenster Weitwanderweg. Jährlich nutzen etwa 100.000 Wanderer diesen Kammweg, der relativ eben verläuft und größere Höhenunterschiede vermeidet. Dieser Höhenweg befindet sich zum Teil im „Thüringer Wald“, einem etwa 150 km langen und 35 km breiten waldreichen Mittelgebirge. Im engeren Sinn bezeichnet man als „Thüringer Wald“ nur den nordwestlichen Teil davon, der bis knapp südöstlich von Neustadt am Rennsteig reicht – unserem nächsten Etappenziel.
Nachdem unsere Bikes ihren Durst gestillt hatten, ging es weiter in nordwestlicher Richtung auf abenteuerlich gewundener Strecke. Zunächst auf der L1147 bis Katzhütte, dann ein kurzes Stück links auf der L1112 bis kurz vor Schwagerhammer und dann wieder rechts auf der L1047 bis nach Großbreitenbach. Wir folgten diesem Weg und hielten uns kurz danach links, um auf der L1143 nach Neustadt am Rennsteig zu gelangen. Damit hatten wir den nördlichsten Punkt unserer Tour bereits passiert. Von nun an ging es wieder aus ca. 800 Metern über dem Meeresspiegel langsam aber stetig bergab Richtung Bamberg auf ca. 250 Meter. Auch wenn wir natürlich zwischendurch immer wieder mal bergauf fuhren. Gesamtan- und abstieg der Tour betragen immerhin jeweils 3.000 Meter!
Nach Neustadt am Rennsteig führte uns die L1137 durch einige kleinere Dörfer über Schleusengrund bis Lichtenau, wo es nach links auf der K523 weiter ging. Kurz vor Einsiedel hielten wir uns rechts in Richtung Eisfeld auf der L2053. Wir ließen Waffenrod und Hinterrod hinter uns, bogen etwa 3km später nach rechts auf die K526 ab, durchquerten Crock und trafen kurz darauf auf die B4.
Dort angekommen fuhren wir nach links auf der B4 in Richtung Eisfeld. Ein paar hundert Meter vor der Autobahnauffahrt Eisfeld-Nord (A73) stoppten wir für eine letzte Pause auf dieser Tour.
An diesem Punkt hätte man die Möglichkeit, sich für eine schnellere Heimreise auf die A73 zu begeben. Die 70 km bis zum Bamberger Kreuz sind ja wirklich keine große Sache. Wir wollten aber weiter auf kleinen Landstraßen cruisen und eine tolle Ausfahrt bei diesem Kaiserwetter genießen. Also umfuhren wir nach kurzem Halt Eisfeld in westlicher Richtung und folgten dem Verlauf weiter parallel zur Autobahn bis unmittelbar vor die Auffahrt Eisfeld-Süd (A73). Dort ging es dann nach Südwesten bis Ottowind, im Ort nach links und weiter auf der CO4 durch Meeder, Wiesenfeld bei Coburg bis Weidach. Hier bogen wir wieder nach links ab, folgten der ST2202 bis Weidach-Vogelherd, um danach rechts auf der CO16 durch Scheuerfeld und Schorkendorf zur B303 zu gelangen. Nur einen knappen Kilometer nutzten wir diese Bundesstraße in östlicher Richtung, um gleich wieder nach rechts auf eine kleinere Straße abzubiegen. Diese nennt sich hier CO12 und führt über Schafhof, Wohlbach, Neuses an der Eichen bis Rossach an der B4.
Zwischen Schafhof und Wohlbach liegt im Westen „Schloss Hohenstein“ auf einem bewaldeten Sandstein-Felsrücken. Wir ließen es links liegen, jedoch merkte ich mir dieses Gemäuer als lohnendes Ziel für eine künftige Ausfahrt. Vielleicht im Rahmen einer Burgen-Tour im nächsten Jahr.
An der Einmündung zur B4 bei Rossach fuhren wir rechts Richtung Bamberg und nach 20 Kilometern in Rattelsdorf angekommen, legten wir einen letzten Halt ein. Es folgte die übliche herzliche Verabschiedung und bald darauf legten wir die letzte, kurze Strecke nach Hallstadt zurück. Zwischendurch klinkten sich mehr und mehr UHUs aus, um ihre heimatlichen Nester anzufliegen.
UHUs-Captain Doggy schrieb noch am gleichen Abend in unserem Forum: „Für mich persönlich war das mit Abstand die schönste Tour, die wir bis jetzt gefahren sind.“ Vielen Dank, Chef! So ein dickes Lob freut einen Road Captain doch. (Bestimmt bekomme ich dafür ein Sternchen! Das kann ich dann in mein Road-Book einkleben…).
BLUESMAN(Road Captain der Franken-UHUs)