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ON TOUR - Fränkische Schweiz

Es ist Samstag Vormittag 10 Uhr.
Warme Septembersonne streicht über das Carbonkleid unsere triplespeed SD 8.
Die frische Spätsommerluft schreit geradezu danach, vom mächtigen V2 angesaugt und mit hochoktanigem Brennstoff verdichtet zu werden, um die schwarze Schönheit über den Asphalt voranzutreiben. Es ist höchste Zeit. Zeit, dem oft weniger unterhaltsamen Alltag die eigene Heckansicht zu verpassen und ihn mit einem beherzten Dreh am Gasgriff ganz weit weg zu katapultieren. Auf geht`s zur Tour durch unsere bildschöne Heimat. Eine Tour durch unsere „Fränkische Schweiz“.


Wir machen uns auf die Reise. Über die perfekt ausgebaute Bundesstraße geht es von Erlangen nach Bamberg und weiter Richtung Scheßlitz. Genau der richtige Einstieg für unsere Tour. So gibt das schnelle und übersichtliche Asphaltband doch Gelegenheit, Mensch und Maschine in Fahrt zu bringen und sich geistig auf das vorzubereiten, was kurz hinter Scheßlitz auf uns wartet - beherztes Kurvenwetzen durch traumhafte Landschaften.


Erstes Highlight: Der Würgauer Berg. Doch bevor wir uns jetzt Hals über Kopf von einer Serpentine in die nächste stürzen und sich dabei das Grinsen mit jedem Gasstoß breiter über unser Gesicht spannt, gilt es doch kurz noch einmal an die so gern von uns ignorierte Vernunft zu appellieren. Keine Angst, ich werde jetzt nicht mit dem erhobenen Zeigefinger hysterisch durch die Gegend wedeln, um auf die Einhaltung jeder (noch so nutzloser) Geschwindigkeitsbegrenzung zu drängen, aaaaber: Die Straße ist KEINE Rennstrecke! Leitplanken sind keine Kiesbetten! Und Jungbaumgruppen definitiv keine Airfences. Der Kniff mit dem Knie und die Jagd nach den letzten Zehnteln gehören einfach nicht in den öffentlichen Straßenverkehr.

Nun genug „Moral apostelt“ und zurück auf den Asphalt. Wir schrauben uns weiter gen fränkischen Himmel und Richtung innerer Glückseeligkeit.

Oben auf dem Würgauer Berg angekommen, geht es direkt weiter auf der B22 Richtung Hollfeld. Hier gibt es größtenteils beste Asphaltbedingungen, gepaart mit unzähligen Kurven und freier Fahrt für puren Motorradfahrgenuss. Die „Standardtour“ sieht auf jeden Fall vor, sich neben dem Würgauer, auch den Tiefenellerer und Stübiger Berg hinab zu stürzen bzw. hinauf zu düsen. Die bereits erwähnte B22 sowie das - leider auch von der grün-weißen Rennleitung - so beliebte Ailsbachtal bieten zudem jede Menge Gelegenheit für beherztes Gas geben. Wer nur mal zu Besuch ist oder nicht allzu oft die Gelegenheit hat unsere „Fränkische Schweiz“ unter die Gummisohlen zu nehmen, der sollte sich dieses „Pflichtprogramm“ also unbedingt reinziehen.


Wer das Glück hat, die Fränkische direkt vor der eigenen Haustür zu haben, der sollte aber unbedingt hin und wieder mal den Anker werfen und sich rechts oder links der Standardrouten einfach auch mal ins Ungewisse stürzen. Hier befinden sich Straßen, die immer schmaler
werden, Kurven, die immer winkliger und anspruchsvoller ihre Radien ziehen, Landschaften, die einen teilweise daran zweifeln lassen, überhaupt noch in der Heimat und nicht schon längst in einer österreichischen Voralpenregion unterwegs zu sein.

Irgendwann drängt sich dann die Frage auf: „Ist hier wohl gleich die Welt zu Ende?“. In dem Moment muss ich wohl die Gegenfrage stellen:„Fängt hier die »Motorradfahrer-Welt« vielleicht erst an? Das letzte Stück Freiheit? Liegt es nicht gerade auf diesen winkligen, kleinen Straßen? Auf den Asphaltbändern, deren Linienführung allein die Natur vorgegeben hat und bei der weder irgendwelche Straßenbauämter noch Flurbereinigungsprojekte ein Mitspracherecht hatten?“.  Wir cruisen durch eine traumhafte Landschaft.


Völlig frei von Raum und Zeit. Völlig frei? Stimmt nicht ganz, denn eine Verpflichtung auf der Tour durchs Frankenland gibt es quasi immer - den Pflichtbesuch bei der „Kathi“. Hier oben in Aufseß, bei Kathi-Bräu sind Biker nämlich mehr als willkommen - sie sind erwartet! Hier findet sich an schönen Wochenenden mehr Edelmetall auf zwei Rädern ein, als auf der gesamten Mailänder Messe. Selbst unter der Woche trifft man hier stets jede Menge breit grinsender Menschen mit dem gleichen Gendefekt, den man selbst hat - nämlich jede Menge Benzin im Blut. Bei Kaffee und Kuchen oder einer herzhaften Brotzeitplatte kann man so einen herrlicher Tag in Freiheit dann auch bestens ausklingen lassen. Zurück im Sattel geht es glücklich und auf gar keinen Fall auf direktem Wege Richtung Heimat.


Wir genießen noch einmal die klare frische Septemberluft und uns wird wieder einmal klar: Um das letzte Stück Freiheit zu finden, muss man nicht auf einem Traktormotor aus Milwaukee die Route 66 hinunterschüsseln - das letzte Stück Freiheit liegt direkt vor unserer Tür. In unserer wunderschönen fränkischen Heimat!

Gute Fahrt und bis bald!
Euer B&T Tourenteam

Vor dem Würgauer Berg Unverzichtbar ist der Besuch bei Kathibräu Parkplatz Kathibräu Auf dem Rückweg