Manager on Motorbikes

Einspurige haben in der Autonation Deutschland einen schweren Stand: vom Arme-Leute-Image während des Wirtschaftswunders, über Rocker und Schläger in den 1970ern bis zu hirnlos rasenden Organspendern auf 300 km/h-Fräsen. Momentan kommt grade der Spott über „verrückte alte Männer” dazu, seit angeblich der Motorradnachwuchs fehlt. Alles Quatsch! Es gab noch nie so viele junge Frauen auf zwei Rädern, und alleine rund um Freestyle-Cross hat sich eine dynamische Szene wagemutiger Burschen etabliert, die der Sicherheitshysterie unserer Gesellschaft eine lange Nase drehen.
Ob tätowierte Rockabillies auf wilden Vorkriegshobeln oder Stefan Bradl als angehender Moto2-Weltmeister, die Motorradszene pulsiert mehr denn je in den unterschiedlichsten Ausprägungen. Und charismatische Persönlichkeiten, die sich begeistert auf schöne und schnelle Maschinen schwingen, gab es auch schon immer. Ob Film-Ikonen wie Clark Gable, Steve McQueen oder Brad Pitt, Politiker wie Franz-Josef Strauß, Peter Struck oder König Juan Carlos, ob Wirtschaftskapitäne wie Gunter Sachs, Malcolm Forbes oder Ferdinand Piech. Von wegen arme Leute, Schläger, Hirnlose – schon klar ...
An Motorradfahrern, die sich zwischen zielgerichteter Kraft und entspannter Freude bewegen, könnten sich diverse mittelmäßige Stümper, die heute als angebliche „Elite” unsere Gesellschaft lenken, ein Beispiel nehmen. Der Mensch auf der Maschine weitet ganz natürlich seinen Blick, verbindet die Umweltbedingungen, die eigene Wahrnehmung und die Technik miteinander. Das befreit den Geist und beflügelt die Seele. Wen wundert da die Existenz der „Managers on Motorbikes”, kurz MoM? Was sich für den Unbedarften widersprüchlich oder elitär anhören mag, ist im realen Leben ein lockerer Haufen motorradinfizierter Verantwortlicher. Ins Leben gerufen von Gerald Marimón und Klaus Weinberger aus Augsburg, ist die virtuelle XING-Gruppe schnell zu einem bundesweiten Forum von Führungskräften mit Lebensfreude gewachsen.
Hirsekorn vom WM-Führenden Kalex-engineering, belegt lediglich, dass sich hier keine Nasenbohrer versammeln. Berührungsängste braucht deshalb niemand zu haben. Elitäres Denken und Handeln gibt’s nicht. Neben lockerer beruflicher Vernetzung ist wesentlicher Anteil der Gruppe, gemeinsam durch die Kurven des Lebens zu schwingen und mit ’nem Bier in der Hand Benzin zu quatschen. Synonym dafür steht der Maschinenpark bei diversen Events, der ein repräsentativer Querschnitt der deutschen Zulassungsstatistik ist. Das sieht bei den regionalen Stammtischen in Berlin oder Stuttgart nicht anders aus, als beim MAN-Werksbesuch in Augsburg oder beim jährlichen Treffen im Thüringischen Ort Lederhose: japanische Vierzylinder, weitgereiste Enduros, schnelle Italiener, individuelle Custombikes, klassische Einzylinder oder komfortable Tourensofas parken einträchtig nebeneinander. Und fahren miteinander: Beim Besuch des Schleizer Dreiecks in diesem Sommer zum Beispiel, als der erfahrene Schräglagenjunkie über die Curbs zischte, sich das genießerische Ehepaar an der Landschaft erfreute und der Oldtimer-Fan die Historie der ältesten deutschen Rundstrecke einatmete.
Gemeinsame Touren und Erfahrungsaustausch werden auf der Online-Plattform genauso organisiert, wie bei persönlichen Treffen. Eingerichtete MoM-Bases gibt’s in Augsburg, München und Zürich, lockere MoM-Treffs in den Regionen Berlin, Bodensee, Dortmund, Hamburg, Koblenz, München, Saarbrücken, Stuttgart, Wien und Zürich. Zuverlässig ein Unternehmen führen und intuitiv die richtige Schräg-lage finden, bedarf im Wesen der gleichen Fähigkeiten. MoM sieht sich!
Infos unter:www.xing.com/net/managers_motorbikes
www.momclub.de
Text und Fotos: Stephan H. SchneiderLeute, die DAX-Unternehmen leiten, genauso wie freischaffende Künstler, Innovatoren der IT-Branche ebenso wie Erforscher der Naturheilkunde, alte Hasen gemeinsam mit jungen Existenz-gründern. Dass Rally Dakar-Pilotin Tina
Meier ebenso MoM ist, wie Klaus